Räuber Daneil

Der Räuber Daneil und die Daneilshöhle im Huy nahe Halberstadt
Vor langer Zeit wählten fahrende Händler oder Reisende nur ungern den Weg durch den dichten Buchenwald des Huys. Es hatte sich herumgesprochen, dass dort ein berüchtigter Räuber namens Daneil sein Unwesen treibt. Er hauste in einer Höhle, die wohnlich hergerichtet und mit einer schweren Eisentür verschlossen war. Seine Opfer kündigten sich durch einen Stolperdraht mit Glöckchen an und diese Glöckchen waren oft das letzte Geräusch, was die Unglücklichen vernehmen konnten. Der Räuber Daneil kannte keinerlei Erbarmen.
Eines Tages klingelten die Glöckchen erneut, Daneil ergriff sein Schwert, eilte zum Weg und fand dort nur ein Mädchen vor, welches vor ihm ängstlich zitterte. Ihr Name war Marga. Er wusste, dass es hier außer fleischlicher Belohnung nichts zu holen gab. Deshalb verschonte er das Mädchen und schleifte selbiges in seine Höhle. Er sagte forsch: „Du sollst dein erbärmliches Leben behalten, wenn Du mir fürderhin als Sklavin dienst. So schwöre doch, bei deiner Seele, dass Du es keinem Menschen verrätst, wer dein wahrer Herr ist. Der Teufel selbst sei mein Zeuge!“ Das Mädchen willigte notgedrungen ein und so begann für sie eine unvorstellbare Leidenszeit.
Daneil war sich seiner Sache so sicher, dass er Marga sogar kleinere Botengänge nach Halberstadt machen ließ. Eines Tages war ihre Verzweiflung so groß, dass sie sich nicht mehr zu helfen wusste. Sie kniete sich in Halberstadt vor der Statue des Roland und klagte diesem ihr ganzes Leid. Sie berichtete vom dem Räuber Daneil, dessen Schandtaten und der geheimen Räuberhöhle. Bei offenem Fenster konnte ein Ratsherr seinen Ohren kaum trauen.
Schnell organisierte er ein Aufgebot der Stadt und zog zur Diebeshöhle, um diese auszuräuchern. Der überraschte Räuber verbarrikadierte sich in seiner Höhle und lachte laut auf. Doch die Halberstädter dichteten kurzerhand den Eingang ab und begannen Wasser zu sieden, welches sie von oben in die Höhle schütteten. Nach kurzer Zeit verstummte das Lachen und wenig später hörte man schmerzliche Schreie. Schließlich verstummten auch diese, doch zur Ruhe kam Daneil nicht…
Da der Teufel auf Marga verzichten musste, nahm er sich nun die Seele des Räubers. Nur die wahre Liebe eines Mädchens kann ihn erlösen. So streift sein Geist noch immer durch den Huy.
Gib Acht, wenn Du im Wald das Klingeln von Glöckchen vernimmst, dann ist Daneil nicht mehr weit…
Fotos: Patrick Rohkohl Fotografie