Frigoris, der Gevatter Frost

Frigoris, der Gevatter Frost und das Geschenk des Winters
Am Harzrand lebte ein verwitweter Kaufmann mit seiner gutmütigen Tochter, namens Anna. Nach einiger Zeit heiratete er eine böse und herrische Frau, die ebenfalls bereits eine Tochter hatte. Dieses Mädchen war jedoch faul und frech, also genau das Gegenteil von Anna. Die Stiefmutter knechtete Anna und hasste diese von Tag zu Tag mehr. Sie fasste im tiefsten Winter den Entschluss, das arme Mädchen im Wald auszusetzten und erfrieren zu lassen…
Der Kaufmann beugte sich widerwillig und geleitete seine eigene Tochter in den sicheren Tod. Zum Abschied gab er ihr einen zerschlissenen Mantel und den Rat, zur nächsten Stadt zu gehen und dort den Pfarrer um Hilfe zu bitten. Traurig schaute er Anna hinterher, wie diese im dichten Schneetreiben verschwand.
Der beißende Frost raubte Anna die Kräfte. Sie setzte sich an einen Baumstamm und begann ihr Umfeld zu beobachten. Die glitzernden Eiskristalle funkelten im Mondlicht und das Schneegestöber nahm bizarre Formen an. Plötzlich hörte sie ein Knacken. Sie drehte sich um und sah eine weiße Gestalt, mit Eiszapfen im Gesicht, auf sich zukommen. Es war Frigoris, der Gevatter Frost. Anna stand auf und gab ihm ihren Mantel. Sie sagte: „Nimm Du ihn, denn ich brauche keinen Mantel mehr!“ Der Frost lächelte, klopfte Anna auf die Schulter und ging seines Weges. Nach ein paar Schritten, drehte er sich nochmals um, winkte und zeigte auf eine bestimmte Stelle. Danach war er verschwunden. Anna folgte dem Hinweis und fand dort einen warmen Pelzmantel, dessen Taschen mit Gold befüllt waren.
Noch in der Nacht bekam der Vater so ein schlechtes Gewissen, dass er sich aufmachte, seine Tochter zu suchen und diese vor dem Erfrieren zu retten. Doch er traute seinen Augen nicht, als er Anna freudestrahlend mit ihrem neuen Mantel fand. Sie gingen nach Hause und berichteten alles der bösen Stiefmutter. Diese besah gierig die Geschenke und beschloss ihre eigene Tochter ebenfalls in den Wald zu schicken. Sie gab ihr den besten Mantel sowie Proviant und ließ sie vom Kaufmann zur selben Stelle bringen.
Es dauerte nicht lange, bis der Gevatter Frost erneut auftauchte. Das Mädchen ignorierte ihn und dachte nicht im Traum daran, Proviant oder Mantel mit ihm zu teilen. Da schüttelte der Frost den Kopf und berührte das Mädchen an der Schulter. Sofort rauschte Eiseskälte durch ihre Gliedmaßen und gefror ihren ganzen Körper zu Eis.
Am nächsten Morgen fand der Kaufmann, das erfrorene Kind und brachte es nach Hause. Wortlos übergab er das Mädchen ihrer Mutter. Diese durchsuchte sofort deren Taschen und fand darin nur Eiskristalle, die in ihren Händen schmolzen. Nach diesem Erlebnis trennte sich der Kaufmann von seiner Frau und hatte fortan ein sorgenfreies Leben. Gebt Acht!