Die Zwerge vom Südharz

Eine große Sippschaft Zwerge war seit Urzeiten in den Zwergenlöchern bei Neustadt zu Hause. Sie waren kleinwüchsig und trugen außerhalb ihrer Höhlen Tarnkappen, die sie für Menschen unsichtbar machten. Für die Bauern waren die fleißigen Zwerge eine Plage, denn Jahr für Jahr machten sie sich über die grünen Erbsen her und verursachten damit großen Schaden. Ein Bauer legte sich auf die Lauer und konnte bald beobachten, wie seine Erbsen, wie von Geisterhand, abgeerntet wurden. Er suchte am nächsten Tag Rat bei einer weisen Frau… Diese riet ihm, in der Dunkelheit über den Acker zu ziehen und dabei mit einer langen Rute flach über die Pflänzchen zu wedeln. Er staunte nicht schlecht, als zahlreiche Tarnkappen durch die Luft flogen und die Zwerge somit auf frischer Tat ertappt wurden. Schließlich schnappte er sich den Zwergenkönig und nötigte diesem ein Versprechen ab: Er sicherte zu, dass alle Zwerge ihre sieben Sachen packen und davonziehen würden.
Ein Schäfer berichtete schon am nächsten Tag, dass er bei einer Brücke die ganze Nacht hindurch bis zum Morgengrauen ein endloses Getrabbel kleiner Füße gehört habe. Die Zwerge hatten die Gegend um Neustadt mit etlichen Wagen voller Gold und Zierrat verlassen.
Man sagt, dass sie als neue Heimat die große Gips-Karst-Höhle bei Uftrungen, die Heimkehle, gewählt haben und noch heute unaufhörlich im Untergrund arbeiten. Gebt Acht!