Am Eingang in das untere Bodetal ragt ein hohes Felsmassiv empor, welches auch als der „Hexentanzplatz“ bekannt ist. Dort hauste der Sage nach eine böse Hexe, die Watelinde genannt wurde. Sie war sehr gefürchtet und richtete mit ihren höllischen Künsten überall großen Schaden an. Als Hexenmutter leitete sie alle Hexentänze und Versammlungen. Man verstand sich darauf, unschuldige Jungfrauen durch allerlei Versprechungen anzulocken, um diese durch magische Rituale in weitere Hexen zu verwandeln.
Einst machte sich die kleine Hilde aus Thale auf den Weg, um im Wald nach Kräutern und Heilpflanzen zu suchen. Irgendwie fühlte sie sich beobachtet, drehte sich um und sah eine große Katze mit rot leuchtenden Augen. Das Mädchen erschrak fürchterlich und lief vor Angst immer tiefer in den Wald hinein. Die roten Augen folgten ihr und als sie am Ende eines Felsens angekommen war und nicht mehr weiterkonnte, bäumte sich das böse Tier vor ihr auf und verwandelte sich in ein altes hageres Weib, nämlich in die Hexe Watelinde. Hilde vernahm deren kichernde Stimme, die zu ihr sagte: „Hab keine Angst kleines Mädchen, ich werde Dir kein Leid zufügen. Doch Du hast meinen Zauberkreis betreten und gehörst nun mir. Zeige mir deine gesammelten Kräutlein und ich will Dir verraten, wofür diese zu gebrauchen sind.“ Die runzelige Hexe kam immer Näher und griff schon in des Kindes Lockenhaar, um dieses zum Altar ziehen zu können. In ihrer Verzweiflung erinnerte sich das Mädchen an einen Rat ihrer Großmutter und bekreuzigte sich… Plötzlich kam ein Sturmwind auf, Blitze zuckten und mit einem Donnerschlag wurde die Hexe in die Lüfte gehoben. Dabei weiteten sich Watelindes rote Augen und sie begann fürchterlich zu kreischen. Wie von Geisterhand wurde die Hexe gegen einen Felsen geschleudert, wo sie selbst zu Stein erstarrte. Dieser Felsen wird heute noch „Hexengroßmutter“ genannt. Die kleine Hilde eilte nach Hause und übergab ihrer Mutter die gesammelten Kräuter. Diese hatten eine unerklärliche außergewöhnliche Wirkung und halfen gegen allerlei Übel.
Früher wurde der Hexentanzplatz gemieden, doch mittlerweile ist er ein vielbesuchtes Ausflugsziel. Wenn der Gipfel aber im düsteren Nebel liegt, dann sollte man sich auch heute noch bekreuzigten, denn Watelinde hat noch viele bösartige Schwestern, die weiterhin zum Tanze auffordern!